Nordkapp Fahrt im Juni/Juli 2016 Teil 2 FIN und NOR

Reiseberichte von Touren in "DK, N, S, SF, EE, LV, LT, IS"

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Nordkapp Fahrt im Juni/Juli 2016 Teil 2 FIN und NOR

Beitragvon cwr » 21.08.2017 - 15:56:33

Mittwoch, 08. Juni 2016 (bewölkt, stürmisch und Regen)

Heute beginnt ein neuer Teil der Reise. Schneller als von uns geplant.

Wir haben keinen Vertrag mit dem Wettergott. Wir sollen einfach nicht am Storforsen bleiben. Die ganze Nacht hat es gestürmt und geregnet. Wir haben uns entschlossen heute doch schon weiter zu fahren. Die Fahrt über die 374 und die 94 bis zur E4 war ganz schön holprig. Wind, Wind, Starkregen und Sturmböen ohne Ende. Stellenweise sind wir mit anderen Wohnmobilen mit 60 km/h vorwärts gekrochen. Einzig die Trucker mit ihren Gigalinern waren schneller unterwegs. Das sind schon imposante Züge. Bisher haben wir die nur in Schweden und jetzt auch in Finnland gesehen. Der Übergang über die Grenze nach Finnland ging absolut reibungslos vonstatten. Keine Zöllner, weder auf schwedischer, noch auf finnischer Seite. Die E75 war dann schon besser zu fahren, da sich mittlerweile die Sonne mal hervor getraut hat. Auf dem Weg nach Rovaniemi sollten der Hildenkirnut besucht werden. Es handelt sich hier um runde Auswaschungen aus der Eiszeit. Auch hier war wegen dem Sturm an einen Besuch nicht zu denken. Die Übernachtung war für das Santa Claus Village geplant. Dort gibt es verschiedene Möglichkeiten zu übernachten. Wir haben einen der großen Parkplätze mit etwa 30 anderen Wohnmobilisten geteilt. Es soll sogar vier Plätze mit Stromanschluss geben. Sollte man in der Sommerzeit einen Besuch im Santa Claus Village und dem Polarkreiscenter planen, gibt es 2 Dinge zu beachten. Beim Einfahren nach Finnland werden die Uhren um 1 Stunde vorgestellt und die Geschäfte dort haben nur bis 18:00 Uhr geöffnet. Einige unserer Mitcamper mussten zum Shoppen von Elchen und Trollen bis 09:00 heute Morgen warten. Außer dem Shoppingcenter findet man hier auch noch vielfältige andere Aktivitäten, die aber besser für die Winterzeit geeignet sind. Der ca. 2 km entfernte Santa Park wird momentan renoviert und öffnet erst am 19.11. wieder. Lustig anzusehen ist die Polarkreistaufe. Viele der Reisebusse entlassen ihre Fahrgäste für einen kurzen Stop und die Reiseleitung nimmt an den Gästen die Taufe der Nordlandfahrer vor. Anschließend müssen die über die Markierung des Polarkreises hüpfen. Satellitenempfang wird immer schwieriger, je weiter wir nach Norden kommen. Unsere Alden mit dem ovalen 85 cm Spiegel schafft es auf Astra einfach nicht alle Frequenzen einzufangen. Die Alternative wäre Hotbird. Für die am Freitag beginnende EM sind ARD und ZDF ausreichend. Nachts dann die Überraschung.

Seit heute haben wir übrigens einen neuen Mitfahrer. Elmar. Wir haben uns im Santa Claus Center einen kleinen Stoffelch gekauft. Elmar sitzt vorne an der Scheibe und beobachtet die Straße.

Donnerstag, 09. Juni 2016 (Schnee, Regen, Sturm)

Die programmierte Heizung hat unseren Wohnraum schön aufgeheizt und nach dem Hochziehen der Jalousien die Überraschung. Es schneit was das Zeug hält. Zuerst nur nasser Schnee, später blieb er liegen. Trotzdem sind wir nach dem Frühstück los um unsere heutige Etappe in Angriff zu nehmen. Der Deutsche Soldatenfriedhof bei Norvajärvi (etwa 16 von Rovaniemi entfernt) war unser Zwischenziel. Alleine die Anfahrt dorthin schon ein Abenteuer. Verschneite Straßen und kein Mensch weit und breit. Man passiert einen finnischen Luftwaffenstützpunkt, der sehr leicht an der ca. 3 km langen und mindestens 30 m breiten Straße davor zu erkennen war. Später hat uns der Leiter des Friedhofes erzählt, dass dieser Flugplatz von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Auf diesem Friedhof sind über 3000 deutsche Gefallene aus den Nordprovinzen Finnlands zur letzten Ruhe gebettet worden. Das Ganze wird vom VdK Landesgruppe Hamburg gesponsort und vom Rotary Club Polarkreis betreut. Wir haben den Leiter Eero kennen gelernt. Ein wirklich netter Finne, der perfekt Deutsch spricht und uns mit vielen zusätzlichen Informationen versorgt hat. Wenn man dorthin kommt und er ist da, unbedingt ansprechen. Er ist sehr froh über jeden deutschen Besucher, ganz besonders wenn man sich in das Gästebuch einträgt.

Die weitere Fahrt gen Norden verlief relativ unspektakulär, bis am Straßenrand die ersten freilaufenden Rentiere aufgetaucht sind. Die erste Gruppe haben wir zu spät erkannt und es gab auch keine Möglichkeit einen Fotostopp einzulegen. Die zweite Gruppe hat sich taktischer positioniert. Direkt vor einem Parkplatz an der E75 graste diese Gruppe am Straßenrand. Natürlich haben auch wir angehalten um die ersten Fotos von Rentieren zu schießen. Zum Glück war der Parkplatz groß genug, denn es sind sehr viele Wohnmobile unterwegs in Richtung Norden. Auch heute haben wir wieder eine große Gruppe gesehen, die auf einer geführten Reise sind. Nur Deutsche und Schweizer. Die haben dann auch mal locker unseren geplanten Campingplatz am Inarisee komplett belegt. Ausweich für uns ist der Uruniemi Camping, 3 km vor Inari. 22,50 € inklusive Strom, je 1 Damen- und 1 Herrendusche und Toilette. Ist schon ein stolzer Preis für den etwas herunter gekommenen Campingplatz. Sind aber die einzigen hier weit und breit. Also für die eine Nacht geht das schon. Schnee hat’s hier keinen mehr, aber windig ist es noch immer. Wir haben einen relativ geraden Platz für unser Schlachtschiff direkt am See ergattert. Sat Empfang gibt’s hier nur für ausgewählte Plätze, die eine freie Sicht nach Süden bieten. Die waren aber als erstes und lange bevor wir ankamen belegt. Morgen geht es ja schon weiter.

Freitag, 10. Juni 2016 (bewölkt, leichter Regen, Sonne)

Gestern Abend ging’s noch durch die City von Inari. Ein Highlight jagte das andere. Die Stadt ist tot. Noch keine Touristen und die Einheimischen gehen nicht vor die Tür. Finnen sieht man nur im Auto sitzen. Zur Ehrenrettung des Campingplatzes muss hier noch gesagt werden, dass doch je 2 Duschen und Toiletten vorhanden sind.

Nach den üblichen Startvorbereitungen ging’s früh los. Das Entsorgen ist hier nicht so einfach möglich, da der Einfüllstutzen ziemlich hoch ist. Wir werden in Kirkenes entsorgen. Unsere Fahrt führte uns heute zuerst über die E4 bis Kaamanen und dort auf die 971 in Richtung Kirkenes. Das Fortkommen war ziemlich schwer, weil wir viele Stops eingelegt haben. An jeder Ecke gab‘s was zu sehen. Rentiere ohne Ende, Millionen von schönen Steinen, Seen so weit das Auge reicht. Die Straße ist trotz der vielen Steigungen und rasanten Abfahrten mit jeder Menge Kurven sehr gut zu fahren. Man sollte auf keinen Fall das Tanken in Näätämö vergessen. Dort am örtlichen Supermarkt gibt es 2 Tankstellen. Bei der Zweiten kann man mit Visa Karte bezahlen. An der Grenze standen 6 schwerbewaffnete Zollbeamte. Die Dame, die unsere Papiere kontrollierte war erstaunt, dass ich schon wieder da sei. Sie meinte, dass sie eben gerade jemanden kontrolliert hat, der genauso aussieht wie ich. Ich habe ihr versichert, dass ich noch nie vorher in Norwegen war. Die gesamte Kontrolle dauerte eine halbe Stunde, da der junge Zöllner mit mir durch jeden Schrank, jede Schublade und jede Garage geschaut hat, ob wir was Verbotenes dabei haben. Beim Radler mit 2,5% hat er ein Auge zugedrückt, sagt er. Fleisch, Alkohol, Zigaretten und Bargeld unterlegen hier strengen Bestimmungen. Sogar den Kühlschrank mit Eisfach hat er kontrolliert. Wir haben uns während der Kontrolle angeregt über Norwegen, Militär und Fußball unterhalten. Endlich war alles erledigt und wir durften fahren. Unter dem freundlichen Winken der Zöllner sind wir in Norwegen eingereist und direkt durchgefahren zur russischen Grenzstation Storskog. Aussteigen, ein paar Bilder machen, alles war schnell abgehandelt. In Kirkenes zurück haben wir dann am Stellplatz im Hafen entsorgt und uns anschließend einen Platz zur Stadtbesichtigung gesucht. Neben einem Hotel in der Nähe der Polizeistation standen wir gut. Die Stadt ist klein und lebt hauptsächlich von den Touristen der Hurtigruten Schiffe, die hier anlegen. Da wir wieder einmal früh dran waren, ging’s auch gleich weiter in Richtung Nordkapp. Die E6 führte uns bis Tana Bru und von dort haben wir die Strecke über Ifjord und Lakselv gewählt. Anfangs eine gute Wahl, da die 98 sehr gut ausgebaut war. Als dann aber die Mittelstreifen verschwanden wurde es eine regelrechte Buckelpiste mit Spitzengeschwindigkeiten von 50 km/h. Da alles gipfelte in einem Teilstück von ca. 3,5 km welches für uns auch noch bergauf ging und aus nichts als Sandpiste mit Schlaglöchern und Hindernissen bestand. Glücklicherweise sind uns die großen Lkw weit vorher begegnet. Eine Begegnung hier wäre fatal gewesen bei einer einzigen Fahrspur von ca. 3 m Breite. Danach verlief die Straße bis zum Ifjord Camping in Lebesby auf einem aufgeschütteten Damm und war in tadellosem Zustand. Entlang der Straße ging’s über viele atemberaubende Kilometer an zugefrorenen Bergseen, Rentierherden und Steinen, Steinen und nochmals Steinen entlang. Da die Tour doch ganz schön anstrengend war, waren wir froh den Ifjord Camping an der Strecke zu finden. Der nette norwegische Besitzer hat mir auch mit Rat und Tat zur Seite gestanden, einen für Hotbird geeigneten Stellplatz zu finden. Man sollte hier nur immer ein langes Kabel dabei haben und sich vor dem Sanitärgebäude auf der Frauenseite an den Rand stellen. Dort ist der Empfang super. Heute Abend spielen nämlich die Franzosen gegen die Rumänen. Schnell ging der Aufbau von der Hand, die Antenne war ausgerichtet und ZDF wurde empfangen. Pünktlich 10 Minuten vor Spielbeginn fing es an zu regnen und der Sender war weg. Wir haben alternativ auf RAI UNO umgeschaltet, denn der lief trotz des leichten Regens. Anpfiff des Spiels und die Italiener haben auf verschlüsselt umgeschaltet. Nix war‘s mit RAI UNO. Aber glücklicherweise hatte der Wettergott mal ein Einsehen mit uns, den Regen eingestellt und uns ZDF zur Verfügung gestellt. Hier auf dem Platz ist es sehr ruhig und wir werden gut schlafen. Die Sanitäranlagen müssen wir uns heute mit einem niederländischen Paar, einem schweizer Paar und einem jungen deutschen Paar mit Rädern teilen. Insgesamt sind je 1 Dusche, 3 Waschkabinen und 2 Toiletten verfügbar. Da alles für 255 NOK inklusive Strom und Entsorgung.

Samstag, 11. Juni 2016 (Sonne, leichter Regen, Sonne und Wolken)

Heute geht’s zu einem Highlight unserer Reise. Es sind nur noch knapp 300 km bis zum Nordkapp. Die E6, die uns heute in Richtung Norden bringt ist sehr abwechslungsreich. Es geht um mehrere Fjorde herum. Wir umfuhren heute den Tanafjord, den Lakselvfjord und den Porsangerfjord um über Lakselv nach Honnigsvag zu gelangen. Zwischendurch kann man gar nicht anders als öfter mal einen Fotostopp einzulegen. Viele schöne Eindrücke, ein wahnsinniges Panorama und Rentierherden. Mittlerweile halten wir schon nicht mehr bei jeder an, um die wirklich schönen Tiere zu bewundern. Es sind einfach zu viele. Das letzte Stück bis Honnigsvag ist schon ein wenig Abenteuer. Steil bergauf und wieder bergab, enge Straßen und enge Kurven (teilweise Lebensmüde entgegenkommend) und auch Tunnel. Eng und dunkel und mit Ampeln geregelt. Für den Winterverkehr findet man auch andauernd Schlagbäume und Bestimmungen für das Kolonnenfahren. Wer tanken muss, sollte das in Honnigsvag erledigen, der letzten Tankstelle vor dem Nordpol. Wer aber glaubt, das war das Abenteuer, den muss ich hier enttäuschen. Das geht ab Honnigsvag so richtig los. Die E69 steigt teilweise sehr steil an und liegt dem Wind ausgesetzt auf einem Damm. Entgegenkommende Busse werfen unsereins fast um. Wer dieses Stück hinter sich gebracht hat, ist glücklich die je 260 NOK für den Besuch des Nordkapps berappen zu dürfen. Dafür kann man alles für die nächsten 24 Stunden nutzen und auch übernachten. Wir haben einen relativ geraden Platz in der zweiten Reihe ergattert. Nach dem ersten Kaffee am Nordkapp sind wir auch gleich los um uns ein wenig zu orientieren. Die Sonne schien und es war noch nicht so viel los. Wir also direkt zur berühmten Kugel um Fotos zu machen. Wir haben auch schnell nette holländische Biker getroffen, die uns mehrere Fotos gemacht haben. Wir den beiden übrigens auch. Da noch wenig Menschen da waren (die Busse der Kreuzfahrer und der Hurtigruten kommen meistens erst gegen Abend und bleiben 1 Stunde) sind die Fotos ohne eine Menschenseele sehr gut geworden. In den Nordkapphallen war es nicht anders. Ohne Wartezeit konnten wir die ganzen Attraktionen genießen. Freies WLAN hat man auch in den Nordkapphallen um die Beweisfotos direkt an die Lieben zuhause schicken zu können. Nach dem Abendessen haben wir noch eine ausgedehnte Wanderung fast komplett um das Hochplateau gemacht. Die Aussicht ist teilweise atemberaubend und wo keine Zäune mehr sind auch nichts für schwache Nerven. Leider hat es sich jetzt zugezogen und wir trinken unseren Cremant im Wohnmobil mit Blick aufs Meer. Vor uns waren die geführte Gruppe aus Rovaniemi und später abends die Gruppe der Franzosen, die wir in Stockholm getroffen hatten auch eingetroffen. Ganz schön voll hier oben jetzt und auch ganz schön windig. Ausgefahrenen SAT Antennen sieht man heute Abend keine. Bewundernswert sind einige Fahrradfahrer die den ganzen Weg hier hochgefahren sind und auch heute Abend wieder abfahren um wahrscheinlich auf dem Campingplatz in Honnigsvag zu übernachten. Morgen geht’s wieder runter in Richtung Süden. Mal sehen wie’s weitergeht.

Sonntag, 12. Juni 2016 (sonnig und auch mal Regen)

Am Nordkapp hat’s die ganze Nacht gestürmt. Wir sind mal wieder früh aufgestanden um nicht in die Kolonne bergab zu geraten. Trotzdem waren wir nicht die Ersten. Die Rally bergab hat schon früh begonnen. Trotzdem kam uns die Abfahrt schneller und auch weitaus einfacher vor als gestern die Auffahrt. Vielleicht lag es ja daran, dass uns so gut wie keiner entgegenkam. Besonders keine Reisebusse. Die haben uns auf der mit einer Rampe erhöhten Straße manchmal ganz schön ins Wanken gebracht. Wir haben kurz entschlossen den Plan geändert und sind nach Hammerfest gefahren. Ehrlich gesagt eine gute Wahl. Einfach durch die schöne kleine Stadt zu schlendern, im Hafen die Schiffe der Hurtigruten und die schöne Innenstadt zu bewundern. Hammerfest hat auch eine schöne Kirche, die allerdings sonntags wegen Gottesdienst nicht besichtigt werden kann. Auch die nördlichste katholische Kirche konnte heute wegen der Kommunionsfeier nicht besichtigt werden. Ein Ausflug zur Meridiansäule, die im Andenken an die erste Vermessung des Erdumfanges aufgestellt wurde, war dann auch noch drin. Hier in Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt (der Titel wird im Moment aber von Honnigsvag streitig gemacht, da Honnigsvag Stadtrechte bekommen hat und etwas nördlicher liegt) ist Parken für uns kein Problem. Da Sonntag ist, können wir auf dem öffentlichen Parkplatz am Stadtrand sogar kostenlos parken. An der Meridiansäule gibt’s auch Platz genug. Die 94 nach Hammerfest ist eine relativ gut ausgebaute Straße. Nur die ersten 10 km werden momentan erneuert und sind deshalb etwas holperig.

Am Nachmittag sollte es eigentlich nur noch bis nach Alta gehen. Wir sind mal einfach zum Museum gefahren um zu sehen, wann es morgen öffnet. Siehe da, es hat geöffnet bis 20:00 Uhr. Das Museum mit den außenliegenden Felsritzungen (zwischen 2000 und 6000 Jahre alt) ist auf jeden Fall einen Besuch wert und mit 210 NOK Eintritt für 2 Erwachsene nicht übertrieben. Man sollte allerdings gut zu Fuß sein, wenn man vorhat den langen Weg ganz außen rum zu nehmen. Allerdings sind die am besten zu sehenden Felsritzungen auf dem kurzen Weg und mit roter Farbe ausgemalt. Bei den später zu sehenden sollte man schon eine gute Portion Phantasie mitbringen. Beim Museum haben einige Wohnmobile gestanden, die zum Übernachten aufgebaut hatten. Unser Fall war das nicht. Trotz zweier Keile hingen die Fahrzeuge nach unten. Wir sind weiter im guten Glauben einen Platz zum Übernachten zu finden. Die E6, die uns weiter nach Süden führte, war bis Alta schon manchmal schmal und holperig. Ab Alta aber gibt’s im Moment viele Baustellen. Baustellen in Norwegen sind ein wenig anders als in Deutschland. Wir sind mehrmals hinter einer Art Pace Car hergefahren, welches jeweils vor der Kolonne her durch die Baustelle fährt. Meistens werden beide Spuren gleichzeitig vom jeweils anderen Ende der Baustelle her neu asphaltiert. Ab Alta ist die nächsten 50 km keinerlei Leben außer vielen Rentierherden und immer noch jede Menge Schnee zu sehen. Die Bergfahrten gehen sehr steil hoch und auch wieder hinab. Man sollte sich aber von Leitplanken verabschieden. Meistens sind nur kniehohe Betonschweller installiert oder dünne Kabel gespannt. So fährt man von selber langsamer. Die Rentiere haben allerdings auch immer Vorfahrt. In der Nähe von Langfjordbotn erschien dann gegen 20:15 die Rettung. Der Altafjord Camping ist einer von mehreren aufeinander folgenden Plätzen. Für 250 NOK bekommt man einen Stellplatz mit Sicht auf den Fjord und allem inklusive. Die Sanitäranlagen sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber sauber und funktionell. Der Inhaber war heute nicht da wegen einer Konfirmationsfeier in der Familie. In der Rezeption hing ein Zettel auf Englisch, der darauf hinwies, sich einfach irgendwo hinzustellen und morgen früh zu bezahlen. Das galt auch für die Hütten. Die waren alle offen. Es gibt noch Vertrauen unter den Menschen.

Strom angeschlossen, Antenne ausgefahren und auf Hotbird ausgerichtet. Fußball war sicher. 2:0

Montag, 13. Juni 2016 (Regen in der Nacht, tagsüber sonnig und Regen)

Versorgen und Entsorgen ist neben dem Sanitärgebäude möglich und gut zu erreichen. Früh ging’s wieder los in Richtung Tromsö. Die E6, auch hier gespickt mit Baustellen und Tunnelneubauten, um die steilen Bergfahrten zu vermeiden, führte uns heute um mehrere Fjorde herum. Es wäre auch eine Fähre möglich gewesen um ca. 80 km Fahrt zu sparen. Wir sind lieber um die Fjorde gefahren, da wir heute mal etwas Zeit hatten. Ab dem Wechsel auf die E8 in Richtung Tromsö lief’s dann wie geschmiert. Sehr gut ausgebaut, sogar teilweise zweispurig und ohne Baustelle ging’s in Riesenschritten nach Tromsö. Zum Glück waren wir früh da und haben ohne Probleme noch einen Platz auf dem Tromsö Camping ergattern können. 360 NOK pro Nacht sind ein happiger Preis, kann aber verlangt werden, da sonst kein Campingplatz in der Nähe ist. Die Sanitäranlagen und Stellplätze sind wirklich sehr gut. Jeder Stellplatz hat einen gepflasterten Teil und einen Rasenteppich. Beim Einchecken wird eine Chipkarte ausgehändigt, die zum Öffnen der Tür des Sanitärgebäudes und der Duschen benötigt wird. Bezahlen muss man sofort (bar oder Visa). Stadtplan und sonstiges Informationsmaterial ist auch in der Rezeption verfügbar. Die Stadt kann man mit dem Bus (Linie 20 oder 24) sehr leicht erreichen. Tickets gibt es für 50 NOK im Bus. Heute Abend steht noch ein kleiner Spaziergang zur Eismeerkathedrale an. Die Stadt wird morgen Vormittag unsicher gemacht. Dann mehr.

Dienstag, 14. Juni 2016 (in der Nacht Regen, Regen und noch mehr Regen, tagsüber bewölkt mit Sonne)

Heute Morgen bin ich aufgestanden und war schlecht drauf. Die ganze Nacht hat der Regen aufs Dach getrommelt. Unser Vertrag mit Petrus und dem Wettergott wurde wahrscheinlich mit dem Einfahren in Norwegen gekündigt. Wir sind dann trotzdem in einer Regenpause los um mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Tickets gab’s wie versprochen beim Fahrer im Bus zum Preis von je 50 NOK. Wir sind dann in der Nähe der Touristeninformation ausgestiegen und auch direkt dorthin gegangen. Ich wollte fragen, ob wir die Fähre von Gryllefjord nach Andenes buchen oder zumindest einen Platz reservieren können. Geht aber nicht und laut Aussage der netten Dame im Infobüro. Im Moment ist aber noch nicht soviel los, dass man eventuell nicht mehr mitkommt. Ihr Wort in Gottes Ohr. Wir werden es auf jeden Fall probieren. Sie hat mir noch eine schöne Strecke zum Radfahren und eine zum Wandern für morgen gezeigt. Wir wollten eigentlich bleiben. Im Moment in dem ich schreibe bin ich am Zweifeln. Unsere Nachbarn südlich der Grenze haben uns mal wieder geärgert. Heute ist Waschtag und wir haben nach langem Warten endlich eine freie Maschine bekommen. Jeder Waschmaschine ist ein Trockner zugeordnet. Mit der aufgeladenen Chipkarte kann dann der Waschvorgang begonnen werden. Alles hat soweit funktioniert bis das junge schweizer Paar auf der Bildfläche erschienen ist. Die haben mal kurzerhand die noch nicht trockene Wäsche der anderen Deutschen aus dem Trockner unserer Seite herausgenommen und ihre Wäsche getrocknet. Seiner Aussage nach wollten sie nicht mehr warten. Unsere Waschmaschine wollte er öffnen obwohl das Programm noch nicht durchgelaufen war um selbst noch eine Maschine zu waschen. Das Ende vom Lied: die Türe geht gar nicht mehr auf und er fängt an auf jeden Knopf der Maschine zu drücken. Dann hat er Hilfe von der Rezeption gerufen. Inzwischen hatte Birgit mich zur Hilfe geholt und wir mussten unsere Wäsche nochmals laufen lassen, da der Schweizer mittlerweile die Türe aufbekommen hat und alles klatschnass war. Nochmals 50 Minuten Waschen. Der junge und sehr nette Mitarbeiter der Rezeption hat uns daraufhin vorgeschlagen unsere Wäsche im Trockner der Rezeption zu trocknen. Im Moment warte ich auf die SMS von ihm.

Aber heute gibt es auch Erfreuliches zu berichten. In der wirklich schönen kleinen Stadt gibt es ein Polarmuseum. Für je 60 NOK kann man im Museum etwas über die Geschichte des Walfangs, der Eisbärenjagd und der Robbenjagd erfahren. Ein weiterer Teil des Museums ist den Forschern Amundsen und Nansen und ihren vielen Forschungsreisen gewidmet. Das Museum war wirklich sehr informativ und vollgepackt mit interessanten Ausstellungsstücken. Die Tromsö Domkirke war unser nächstes Ziel. Die komplett aus Holz gebaute Bischofskirche ist wirklich bezaubernd. Farblich sehr gut aufeinander abgestimmt im Inneren und mit einer schönen Orgel. Unser nächstes Ziel, das Museumsschiff MS Polstjerna hat erst ab morgen wieder geöffnet. Wir werden den ältesten noch erhaltenen Robbenfänger auf jeden Fall morgen besichtigen. Man hat extra ein Glashaus drum gebaut um es vor den Witterungseinflüssen zu schützen. Nach einer Runde durch die Fußgängerzone ging’s zurück um noch in die Eismeerkathedrale zu gehen und eines der größten Glasgemälde Europas zu sehen. Aber auch die Kirchen sind nicht auf unserer Seite. Es kam uns schon seltsam vor, dass sich soviele Leute vor und um die Kathedrale befanden. Sie war mal gerade für Besichtigungen gesperrt wegen eines Konzertes. Das war der zweite Versuch. Wir werden vielleicht einen weiteren Versuch heute Abend unternehmen, wenn unsere Wäsche endlich getrocknet ist. Im Moment wirbelt sie noch im Trockner der Rezeption. Mal sehen wie’s weitergeht. Mats von der Rezeption hat gerade die trockene Wäsche gebracht. Super:-)

Mittwoch, 15. Juni 2016 (etwas Regen in der Nacht, tagsüber Schauer und Sonne, abends sonnig)

Heute stand endlich mal wieder Abwechslung auf dem Programm. Nach dem fahrfreien Tag gestern in der Stadt war heute das Fahrrad dran. Nach dem Abstecher in die Eismeerkathedrale zum Glasgemälde (Eintritt je 40 NOK) ging’s über die Tromsöbrücke auf die Insel Tromsøya, auf der der größte Teil der Stadt liegt. Zum Glück ist heute der Eröffnungstag des Museumsschiff MS Polstjerna. Nur heute kostenlos und absolut sehenswert. Man bekommt am Eingang ein Headset (auf Deutsch) und kann das gesamte Schiff auf den Kopf stellen und überall hineingehen. Weiter ging’s an der Küste entlang bis zum südlichsten Punkt und weiter auf dem Fahrradweg bis in Höhe des Flughafens. Dort kann man noch einen Abstecher auf die Insel Kvaløya machen, auf der ein weiterer Teil der Stadt Tromsö liegt. Für die Weiterfahrt um den nördlichen Teil der Insel muss man auf dem Ringvegen fahren. Fahrradwege gibt’s dort keine mehr bis zur Brücke zurück nach Tromsdalen. Der östliche Teil der Insel Tromsøya ist sehr industriell geprägt. Man findet aber in der Nähe des Universitätskrankenhauses einen wirklich schönen botanischen Garten, der die Vielfalt der arktisch alpinen Pflanzenwelt sehr gut in einem Steingarten zur Geltung bringt. Heute konnten wir mal wieder unseren Kaffee draußen trinken. War zwar ein wenig windig und kalt aber sehr sonnig. Die ganze Runde war nur 35 km lang mit wenigen Steigungen und sehr gut zu fahren. Mit kleinen Kindern aber nicht ratsam, da mindestens auf einer Strecke von 15 km kein Radweg vorhanden ist. Ein wirklich gelungener Abschluss in Tromsö.

Ein kleiner Plausch mit den netten Nachbarn mit BB Kennzeichen hat uns ein paar gute Tipps für die Weiterfahrt Richtung Süden gebracht. Sie sind auf dem Weg zum Kap. Morgen geht es weiter auf die Vesterålen. Wenn das Wetter mitspielt ist am Freitag eine Ausfahrt zum Whalewatching geplant. Morgen wird mal eine Fähre in Norwegen ausprobiert. Wir fahren mit der M/F Skutvik von Gryllefjord nach Andenes. Der Nachbar hat mir erzählt, dass es ein Abenteuer sein wird mit dieser Fähre aus dem Baujahr 1972 zu fahren. Morgen sehen wir weiter. Die geführte Gruppe vom Inarisee ist wieder bei uns. Heute sind sie hier eingetroffen und werden uns bis zu den Lofoten verfolgen.

Heute ist aber noch mehr Schönes passiert. Unser Enkel Lukas hat Geburtstag und wird 12 Jahre alt. Wir haben heute Abend geskypt und haben uns wahnsinnig gefreut ihn und seinen Bruder zu sehen. Mama und Papa waren auch kurz zu sehen. Wir werden das in Zukunft auf jeden Fall noch öfter machen. Heute Morgen habe ich bis 00:00 Uhr gewartet und per whatsapp mit Sicherheit als erster gratuliert.

Donnerstag, 16. Juni 2016 (bewölkt und später viel Sonne)

Heute verlassen wir Tromsö in Richtung Vesterålen. Wir werden dem Ratschlag der Nachbarn folgen und uns die ca. 220 km auf der Straße sparen. Dafür nehmen wir die Fähre von Gryllefjord nach Andenes. Normalerweise sind diese 1782 NOK auch gut investiert um sich den Stress auf der Straße zu sparen, aber nicht heute. Zeitgleich mit uns hat ein Wohnwagengespann mit LA Kennzeichen den Camping in Tromsö verlassen und ist auch zeitgleich mit uns auf dem Midnattsol Camping in Breik angekommen. Warum? Sie sind die komplette Straßenverbindung ohne Fähre gefahren und wir die kürzere Strecke mit 1:40 Fährfahrt. Am Anfang lief für uns auch alles prima. Die E8 war wie auf der Hinfahrt ein Genuss zu fahren, auch auf der E6 bis Andselv kamen wir relativ gut voran. Das kurze Stück auf der 855 war noch gut, aber die 86 hat’s in sich. Hinter Finnsnes kamen wir nach einer Kurve an eine Stelle an der ein handgeschriebenes Schild stand, welches die 86 mal eben sperrte. Wir waren eigentlich fast früh genug dran um die 11:00 Uhr Fähre zu schaffen. Aber so standen wir von 10:15 bis 12:30 vor dem Schild und haben gewartet, dass die Straße geöffnet wird. Wir waren aber beileibe nicht die Einzigen. Außer den paar, die die Nerven verloren und wieder umdrehten, kam schon einiges zusammen. Das letzte Stück auf der 86 war wirklich miserabel. Sehr sehr schmal mit furchtbar engen Kurven. Wir haben mal eben Italien gespielt und vor jeder Kurve ordentlich gehupt. Zum Glück kam uns nichts Größeres entgegen. Am Fähranleger mussten wir dann nochmals etwa 45 Minuten warten, bis die M/F Skutvik in den Hafen einfuhr und die Fahrzeuge entladen wurden. Dort sind 5 Reihen zum Anstellen vorhanden. Wenn die 5 Reihen voll sind, ist auch die Fähre voll. Das Einfahren ging eigentlich sehr schnell vonstatten und wir legten los. Zahlen muss man hie übrigens nach dem Ablegen oben an der Kasse. Dort gibt es dann einen blauen Sticker, den man bei der Ausfahrt abgeben muss. Damit beweist man, dass man gezahlt hat. Zahlen kann man bar oder mit Karte. Die BB Nachbarn in Tromsö haben nicht übertrieben. Das über 40 Jahre alte Schiff schaukelt auf dem offenen Meer doch sehr. Einigen Mitfahrern war ganz schön mulmig zumute. Es gab vielfach weiße Gesichter. War aber auch ganz schön stürmisch auf dem Meer. Aber wenigstens kam die Sonne in der Hälfte der Strecke raus und hat uns den Rest des Tages begleitet. Wir haben den Seelenverkäufer in Andenes verlassen und sind ohne Aufenthalt direkt durchgefahren zum Camping Midnattsol in Breik. Noch ein Geheimtipp der BB Nachbarn. Dort soll man bei schönem Wetter am Strand sitzend mit dem Fernglas Wale sehen können. Also heute war schönes Wetter, aber wahrscheinlich nicht für die Wale. Der Campingplatz ist klein und die Sanitäranlagen sind sauber. Der Knaller ist die Lage. Direkt am strahlend weißen Sandstrand gelegen mit einem traumhaften Blick auf das türkisfarbene Meer. Wenn die Sonne scheint und es nicht so windig ist wie heute, Karibikfeeling pur. Hotbird und Astra funktionieren hier auch. GER-POL 0:0

Freitag, 17. Juni 2016 (bewölkt, neblig und stürmisch)

Der dringend notwendige Ruhetag sollte ganz relaxt angegangen werden. Ausschlafen, den Ort erkunden und später eine Wanderung in die umliegenden Berge machen. Im Ort gibt es einen Laden, der alles ist. Post, Cafe, Bank, Miniapotheke und Supermarkt. Die Wanderung führte uns ins Naturschutzgebiet. Dort gibt es einiges zu entdecken. Ein kleiner See am Anfang und viele schöne Felsformationen zum Klettern. Damit meine ich aber kein Klettern für Profis. Wir sind um 2 Buchten herum durch die Felsen geklettert und haben dabei sogar ein Seeadlerpärchen mit Nachwuchs beobachten können. Das Gebiet ist auch berühmt für die vielen Trottellummen. Wale haben wir auch heute nicht gesehen. Entweder war ihnen das Wetter zu rau oder die Felsen zu hoch. Den wirklich schönen Tag lassen wir bei einem Glas Wein und einer Dose Bier ausklingen. Morgen geht’s weiter zu den Lofoten. Laut meinem Freund, dem Campingplatzchef soll das Wetter dort auch viel besser sein. Wärmer und kein Wind. Schau’n wir mal.

Samstag, 18. Juni 2016 (Regen und Sturm)

Bevor die Mitbewohner wach waren und wussten was los ist, waren wir auch schon weg. Die üblichen Startvorbereitungen gingen im leichten Nieselregen schnell von der Hand. Die Fahrt ging zurück nach Andenes um auf der sogenannten Panoramastraße 82 in Richtung Süden zu fahren. Mit Panorama war heute leider nix, nur Regen, Regen und Regen. Mal Nieselregen, mal stärkerer Regen. Die Landschaft, wenn sie mal zu sehen war, ist doch jetzt schon sehr unterschiedlich zu der weiter nördlichen. Bei dem Ort Strand führte uns die E10 durch verschiedene Tunnel endlich auf die Lofoten. So ganz Recht hatte der Campingplatzchef dann doch nicht. Kalt und stürmisch, anstatt warm und windstill. Die Rundreise auf den Lofoten sollte auf den Spuren von Kaiser Wilhelm II. starten. Die sogenannte Kaiserroute führt normalerweise von Svolvær nach Digermulen und wieder zurück. Da wir aber von Norden kamen, sind wir in der Mitte der Kaiserroute eingestiegen und haben uns die Route rückwärts zum Ziel gearbeitet. Vor der Raftsundbrücke sind wir in den Raftsund eingebogen. Die Raftsundbrücke war zu ihrer Bauzeit mit 298 m Spannweite die längste freitragende Betonbrücke der Welt. Wir sind aber zuerst über die stellenweise sehr schmale Straße am Raftsund entlang bis nach Raften. Dort soll der einzige Campingplatz im Raftsund liegen. Wir sind vorbei, weiter in Richtung Digermulen. Man passiert hier auf der rechten Seite im Sund zuerst eine größere Insel und den eine kleine. Im oberen Drittel der großen Insel liegt gegenüber der Eingang zum Trollfjord. Leider ist dieser angeblich magische Fjord nur vom Wasser aus zu sehen. Manchmal bekommen die Schiffe der Hurtigruten die Erlaubnis hinein zu fahren in diesen nur 100 m breiten und etwa 2,5 km langen Fjord. In der Saison werden ab Raften Bootstouren in den Trollfjord angeboten. Wir haben nur gesehen wie sich die Mitfahrer eines der Speedboote eingepackt haben, um in den Fjord zu rasen. Sonst war keiner unterwegs. Der kleine Ort Digermulen soll ein ganz besonderer Ort sein, mit viel Flair und einer Tankstelle. Tankstelle ja, Flair war heute nicht da. Weiter ging’s auf der abenteuerlichen Straße nach Pundslett mit seinem super Panoramablick. Straßenschilder gibt es hier draußen schon lange keine mehr, aber das Panorama war wirklich atemberaubend. Es hat mal nicht geregnet und so konnte man das türkisfarbene Meer mit weißem Sandstrand bewundern. Es fehlen hier eigentlich nur noch die Palmen. Weiter in Storfjell ist das offizielle Ende der Straße. Kann man auch gut erkennen. Plötzlich wechselt der Belag von löchrigem Asphalt in eine von Schlaglöchern übersäte Schotterpiste. Hier haben den Erzählungen nach die Frauen, nachdem der norwegische Staat keine Straße bis zu ihren Häusern bauen wollte, selbst Hand angelegt mit Hacke, Schaufel und Dynamit. Wir sind diese Straße gefahren, muss man aber nicht haben. Das Panorama ist toll, aber die Fahrt auch anstrengend, ganz speziell bei Gegenverkehr. Zurück ging’s dann über die Raftsundbrücke am Moysalen, dem mit 1262 m höchsten Berg der Vesterålen und Lofoten. Heute hat sich der Berg vor den neugierigen Blicken der Vorbeifahrenden im Nebel versteckt. Durch einen 6,5 km langen unterseeischen Tunnel ging’s dann auf die Insel Vågan. Die Flugsandfelder von Moyfjorden hingegen waren wirklich gut zu erkennen und haben wirklich an Dünen in Holland oder Dänemark erinnert. Um die endlosen weißen Sandstrände von Grunnfordfjorden zu sehen muss man von der Hauptstraße abbiegen und etwa 2 km weit fahren. Das nächste Ziel, der Hafen von Laukvika, soll einer der schönsten auf den Lofoten sein. Ein großer Hafen mit vielen Sportbooten, Fischerbooten und der Möglichkeit zum Angeln zu fahren. Bei schönem Wetter mit Sicherheit ein lohnendes Ziel. Ab hier wurde dann der Zubringer zur E10 in Richtung Svolvær genommen. Ein sehr schmaler Zubringer mit vielen Schlaglöchern. Wenn man auf der E10 ist sollte man auf ein Hinweisschild auf den Austnesfjorden achten. Dort in der Nähe befindet sich ein Parkplatz, der leider meistens von großen Reisebussenbelegt ist. Das in Norwegen vielleicht am meisten fotografierte Motiv, die kleine weiße Kirche von Sildpollnes auf einer Landzunge im Fjord, kann nur von hier fotografiert werden. Heute war mal wieder viel los hier. Weiter ging’s nach Svolvær. Dort wollen wir heute Abend bleiben und uns morgen die kleine Stadt ansehen. Wir haben mit Glück einen Wohnmobilstellplatz an der Einfahrt zum Hafen gefunden, der uns mit allem 250 NOK kostet, nur zahlbar mit Visa Karte. Jetzt stehen wir hier und warten bis der Regen aufhört, um schon mal in den Ort zu laufen. Der Wind wird hier immer stärker. Also heute Abend nix mit Fußball. Morgen mehr.

Sonntag, 19. Juni 2016 (Regen, Wolken, Sturm und auch ein wenig Sonne)

Wir stehen immer noch direkt in der Hafeneinfahrt von Svolvær und können die ein- und auslaufenden Schiffe sehr gut beobachten. Die fahren direkt an unserer Nase vorbei. Trotz des leichten Nieselregens steht heute die Stadtbesichtigung der Hauptstadt der Lofoten an. Hier haben wir es zum ersten Mal auf unserer Reise erlebt, dass alles am Sonntag geschlossen war. Ist natürlich schade, besonders weil auch an einem Sonntag die Hurtigruten und andere Kreuzfahrer Svolvær besuchen. Da geht der Stadt einiges an Talern durch die Lappen. Der alte Hafen ist gesäumt von alten roten Fischerhütten, die heute an Touristen für gutes Geld vermietet werden. Sehr gut laufen hier auf den Lofoten auch die diversen Autovermietungen. Wir treffen immer wieder dieselben Leute, entweder von verschiedenen Stellplätzen oder der Fähre. Es gibt hier in Svolvær verschiedene Stellplätze, aber keine ist so gut wie unserer. Die Lage ist wirklich einmalig und der Sanitärbereich ausreichend. Man kann ohne größere Probleme zu Fuß die Stadt erreichen. Einzig der Einlass für die Abwasserentsorgung ist etwas fragwürdig. Ein relativ dünner Schlauch, der mit Sicherheit ein paar Male überfahren wurde und deshalb auf keinen Auslassstutzen mehr passt. Heute wollten wir noch über Kabelvåg in die Nähe des Wikingermuseums fahren, um dort zu übernachten und morgen zeitig das Museum zu besuchen. Kabelvåg war schnell abgehandelt. Dort gibt es eine Kirche, die für 35 NOK besichtigt werden kann. Es handelt sich hier um die Lofotkathedrale und ist mit 1200 Sitzplätzen die größte Holzkirche Nordnorwegens. Innen wie außen komplett aus Holz gebaut und wirklich schön anzusehen.

Auf dem Weg zum Wikingermuseum hat‘s uns dann erwischt. Ein entgegenkommendes Auto hat in einem Tunnel einen Stein aufgewirbelt und uns auf die Frontscheibe geschleudert. Zum Glück nicht im Sichtbereich des Fahrers. Mal sehen wie das ausgeht. So eine Frontscheibe von einem Vollintegrierten ist nicht gerade ein Schnäppchen.

Wir kamen mal wieder gut voran und konnten frühzeitig das Wikingermuseum erreichen. Man sollte auf jeden Fall mindestens 2 Stunden für die Besichtigung einplanen. Parkplätze für Wohnmobile waren endlich mal in ausreichender Anzahl vorhanden. Für 160 NOK pro Person gibt’s das volle Wikingerprogramm. Da noch Vorsaison ist, finden leider nicht alle Events statt. Das Wikingerbootfahren wurde für heute gestrichen. Ansonsten ist dieses Museum wirklich auf dem neuesten Stand der Technik. Jeder bekommt ein Headset und ein Abspielgerät. Diese sind in verschiedenen Sprachen (auch Deutsch) verfügbar und müssen bei den verschiedenen Stationen per Laser synchronisiert werden. Man sollte auf jeden Fall den Kinofilm besuchen, der einen sehr guten Einblick in das Leben der Wikinger gibt. Nach dem Rundgang in der Ausstellung mit allen Ausgrabungsstücken, geht es in das nachgebaute Langhaus. Darin kann alles angefasst und probiert werden. Die Fotos von mir in einem Wikingerhelm wird wohl keiner zu sehen bekommen. Die sind wirklich angsteinflößend. Der anschließende Rundgang draußen mit den Ausgrabungen der Siedlungen aus verschiedenen Zeiten führt zum Bootssteg und dem Nachbau einer Schmiede aus der Wikingerzeit. Wohl gefüllt mit Informationen sind wir weiter in Richtung der Fähre in Moskenes gefahren. Der Mitarbeiter der Torghatten Fährgesellschaft hat uns versichert, dass eine Reservierung der Fähre um 06:00 Uhr nicht notwendig ist. Also sind wir die E6 noch bis zum bitteren Ende nach Å gefahren. Ab Moskenes ein wahres Abenteuer. Die Brücken und Straßen waren kaum mehr breiter als ein Wohnmobil und man kann nur hoffen keinen Gegenverkehr zu haben. Am Ende der E6 befindet sich ein Parkplatz, der sehr gerne zum Übernachten benutzt wird. Wir sind aber zurück nach Moskenes gefahren und haben auf dem Stellplatz direkt an der Fähre übernachtet. Hier haben wir heute 2 Familien aus unserem Nachbarort getroffen. Sie sind schon seit 4 Wochen unterwegs und auch auf dem Rückweg. Nur nicht mit der Fähre, sondern auf dem längeren Landweg. Da wir schon um 04:30 Uhr aufstehen müssen, geht’s heute früh zu Bett.

Montag, 20. Juni 2016 (Regen, Regen, Regen und später Sonne und warm)

Nach der kurzen Nacht waren wir kurz nach 05:00 Uhr an der Fähre. Dort gibt’s 5 Spuren, wovon die ersten beiden für die mit Reservierung sind und 3 andere Spuren. Wir waren das zweite Fahrzeug auf der dritten Spur und kurz nach uns füllten sich die Spuren auf. Ein Mitarbeiter der Fährgesellschaft geht durch die Reihen und kassiert die Überfahrtgebühr. Die gasbetriebene Fähre ist 95 m lang und etwa 5700 BRT. Das Einladen ging sehr schnell vonstatten und wir fanden einen guten Platz auf dem Oberdeck direkt vorne am Fenster mit guter Aussicht. Direkt nach dem Auslaufen öffnete die Bar und wir genehmigten uns ein Frühstück. Es war eine sehr angenehme Überfahrt, da diese Fähre durch den modernen Antrieb sehr leise war und auch die Wellen sehr gut abgeritten hat. Die Mehrzahl der Mitfahrer hat sich kurz nach dem Auslaufen dem Schlaf hingegeben. Wir nach dem Frühstück auch. Die 3:15 Stunden vergingen wie im Flug und wir erreichten Bodø im Regen. Über die RV80 und die RV17 erreichten wir sehr schnell den Parkplatz an der Saltstraumenbrücke. Heute war der Höchststand der Flut um 12:02 Uhr und wir konnten ab 11:30 den stärksten Gezeitenstrom der Welt bewundern. Riesige Mengen Wasser mit gewaltigen Strudeln schieben sich in die Meerenge hinein. Ein wirklich beeindruckendes Schauspiel, welches von der Brücke noch besser zu sehen war. Über die Brücke ging unsere Fahrt dann weiter über die RV812, die mit gewaltigen Höhenunterschieden das Svartisen Gletschergebiet durchzieht. Hier haben mal wieder die frei laufenden Schafe Vorfahrt. Auf der E6 angekommen, meinte man in einer anderen Welt zu sein. Eine gerade, breite Straße, die sehr gut zu befahren ist. Kaum hatte ich den guten Zustand gelobt, verschwand der Mittelstreifen und die Straße wurde immer schmaler. Baustellen gab’s auch einige. Es ging über viele Kilometer stetig bergauf und als man oben ankam, war man überrascht nur 692 m hoch zu sein. Gefühlt war das viel mehr. Sowohl beim Aufstieg als auch bei der späteren Abfahrt rauschten ungeheure Wassermassen ins Tal. Die Wasserfälle kann man hier überhaupt nicht mehr zählen. Bei Stodi haben wir dann zum zweiten Mal den Polarkreis überquert. Ab sofort soll es nachts sogar ein wenig dunkel werden. Ab sofort kommt übrigens auch unsere Go Box Plus zum Einsatz. Bei Bodø und vor Mo I Rana werden die Autofahrer ohne ersichtlichen Grund abkassiert. Die Straßen sind in einem miserablen Zustand und keine besonderen Brücken oder Tunnel weit und breit. So wird’s aber in Richtung Süden weitergehen. Wir wollten eigentlich vor der Gronligrotta Höhle einen Schlafplatz finden, was gar nicht so leicht war. Wegen der vielen Baustellen sind die Parkplätze nicht nutzbar und die kleinen Campingplätze an der E6 noch geschlossen. Also sind wir bis Mo I Rana durchgefahren und übernachten heute auf dem wirklich schön an einem Fluss gelegenen Campingplatz. Das Wetter hat sich wirklich prächtig entwickelt und seit wir hier sind scheint die Sonne. Wir haben heute seit Schweden das erste Mal wieder draußen sitzen können. Als wir ankamen, war der Platz noch relativ leer und wir haben uns entschlossen, heute den Rest unserer Wäsche zu waschen. Aber auch hier, wie in Tromsö ein totales Chaos. Es wechseln sich im Moment immer 2 Frauen ab und niemand sonst hat eine Chance die einzige Maschine mal leer zu erwischen. Jetzt sieht es so aus, als könnten wir gegen Mitternacht die Maschine nutzen. Mal sehen.

Dienstag, 21. Juni 2016 (Regen, Niesel, Wolken, ein wenig Sonne)

Um 02:15 Uhr war unsere Wäsche gewaschen und getrocknet. Damit nicht das gleiche Missgeschick wie beim Vorgänger passiert , habe ich mich mit meinem Buch (Wächter der Nacht) in den kleinen Waschsalon gesetzt und gewartet bis alles fertig war. Beim Vorgänger ließ sich die Waschmaschine nicht mehr öffnen. Wenn das Waschprogramm fertig durchgelaufen ist, hat man noch ganz kurz Zeit die Maschine zu öffnen, ansonsten schaltet der Timer den Strom ab und man muss nachwerfen. Beim Verlängern heute morgen, habe ich übrigens 26 NOK von gestern zurückbekommen, da mit der CKE oder ACSI Card ein Rabatt von 10 % gewährt wird. Nun kostet der Platz nur noch 269 NOK pro Nacht.

Mo I Rana ist eine typische kleine nordische Stadt mit Schwerindustrie und Fischereihafen. Vorherrschend sind hier die Stahl-, Hütten- und Walzwerke. Auf dem Campingplatz ist dies permanent zu hören. Neben den kleinen Fischerhäusern im Hafen und Altstadtbereich, überwiegen die großen Wohnblocks. Sehenswert sind die 60 Tonnen schwere und 10 Meter aus dem Meer ragende Granitskulptur Havmannen und Moholmen, die reizende Altstadt von Mo I Rana. Morgen früh geht’s weiter zur Gronligrotta und anschließend sollte es zum Torghatten, dem Fels mit Loch gehen. Gerade habe ich im Internet die Information gefunden, dass die Zufahrtsstraße FV76 wegen Erdrutsch gesperrt ist. Wir werden unsere Pläne wohl ändern müssen und direkt nach Trondheim fahren. Heute Abend wird geplant. Morgen mehr.

Mittwoch, 22. Juni 2016 (Nieselregen, Sonne, warm bei über 20 Grad)

Nach den üblichen Startvorbereitungen sind wir zur Gronligrotta Höhle gefahren. War zwar ein kleines Stück des Weges zurück, hat sich aber voll und ganz gelohnt. Wenn man von der letzten schmalen Hauptstraße auf den Schotterweg einbiegt, kommt man am kleinen Parkplatz einer anderen Höhle vorbei. Bei regnerischem Wetter sollte man sein Wohnmobil dort parken und den Weg hoch zur Gronligrotta zu Fuß bewältigen. Der Weg ist eine Mischung aus kleinem Schotter mit Sand und bei Nässe furchtbar rutschig. Das ist aber noch nicht das Schlimmste. Der Weg ist auch noch endlos steil. Wir mussten das erste Mal einen Berg im ersten Gang hochfahren. Zum Glück hat unser Fiat irgendwas mit 3 Buchstaben, was das Durchdrehen der Räder verhindert. Hat auch funktioniert. Da es nicht stark geregnet hat, war auch die Abfahrt ohne Probleme zu bewältigen. Leider hat man keine Möglichkeit sein Fahrzeug zu wenden, wenn man merkt, dass es doch nicht geht. Die Höhle selbst ist für je 165 NOK zu besichtigen. Jede Führung (in Englisch oder Norwegisch) dauert etwa 45 Minuten und führt ca. 400 m in die Höhle hinein. Die Höhle hat eine erforschte Gesamtlänge von 4 km. Es geht an einem unterirdischen Fluss vorbei durch verschieden große Hallen mit vielen abzweigenden Gängen bis zur Kapelle. Dort kann man einen vom Eis der Gletscher in der letzten Eiszeit in den Berg transportierten riesigen Granitblock bewundern. Diese Art von Granit kommt nur im Bereich des Svartisen Gletschers vor. Die Stalaktiten wachsen in dieser Höhle etwa 1 cm pro 1000 Jahren. Die längsten sind nur 10 bis 12 cm lang und Stalakmiten gibt’s gar keine. Solange man auf den Guide hört und nicht in eine der vielen Seitengänge verschwindet, ist es ein Spaß für die ganze Familie.

Die bekannte E6 führte uns im Anschluss in Richtung Trondheim. Hinter Mo I Rana ist sie wirklich gut bis sehr gut ausgebaut, mit wenigen Baustellen und Engstellen. Beim Laksforsen Wasserfall kann man einen kleinen Stopp einlegen und das benachbarte Cafe/Restaurant besuchen. Da wir morgen in Steinkjer bei LPG Norge unsere deutsche Gasflasche füllen lassen wollen, sind wir heute noch bis Steinkjer gefahren. Ein Geheimtipp ist dort der gemischte Parkplatz am Freizeitzentrum Paradisbukta. Auf den ersten Blick nicht der Kracher, aber für 26 NOK Tagesgebühr und absoluter Ruhe in der Nacht sehr gut. Nicht nur der kleine Sandstrand am Fjord mit Grillplätzen, sondern auch viele Wanderwege durch den urwaldähnlichen Wald vervollständigen das sehr gute Freizeitangebot. Es gibt sogar freies WLAN im Bereich des Strandes. Die EM konnten wir heute das erste Mal seit langer Zeit draußen sitzend genießen. Die anwesenden Niederländer haben die Belgier unterstützt. Warum wohl? Was heute noch erwähnenswert ist wird man kaum glauben. Es ist das Wetter. Hinter Mo I Rana war auf der E6 ein Tunnel wegen Sanierungsarbeiten gesperrt und wir mussten über den alten Passweg fahren. Unten am Pass angekommen, kam Bewegung in den Aussenthermometer. Die Werte wurden erst zweistellig und dann war die 20 geknackt. Sonne und Temperaturen über 20 Grad sind für jeden, der aus Nordnorwegen kommt erstmal was Neues. Der Abendspaziergang über die Felsformationen und durch den Wald konnte in kurzen Hosen und ohne Jacke gemacht werden. Ein wirklich schöner Tag.

Donnerstag, 23. Juni 2016 (leicht bewölkt, sehr sonnig und ein wenig Nieselregen)

Sehr entspannt ging’s heute Morgen los um die Gasflasche auffüllen zu lassen. Der Weg zur LPG Norge in Steinkjer ist zwar nicht einfach zu finden, aber wenn man dort ist und hört dass es kein Problem ist eine deutsche Flasche aufzufüllen, ist alles ok. Die Mitarbeiter sind wirklich sehr nett und erklären gerne wie alles vor sich geht. Alles macht einen sehr professionellen Eindruck und geht reibungslos über die Bühne. Nach nicht mal 10 Minuten konnte ich unsere Flasche wieder einbauen und musste nur 219 NOK bezahlen. Die Filialen in Mo I Rana und Namsos arbeiten laut Mitarbeiter in Steinkjer genauso gut. Es werden übrigens nicht nur komplett leere Flaschen, sondern auch angebrochene Flaschen gefüllt.

Die gut ausgebaute E6 brachte uns zu unserem nächsten Ziel. Trondheim. Zum Glück haben wir nicht auf den Rat der BB Nachbarn in Tromsö gehört und hier mehr Zeit eingeplant. Wir haben unser Wohnmobil auf dem Parkplatz am Stadion, mitten in der Stadt geparkt. Heute war wirklich sehr viel los in der Stadt. Warum haben wir auch gleich erfahren. Der norwegische König hatte gehört, dass wir da sind und sich kurzfristig entschlossen auch nach Trondheim zu kommen. In Wahrheit besucht er wegen seinem 40 jährigen Thronjubiläum einige Städte in Norwegen. Dom und Museen konnten deshalb auch erst ab 14:00 Uhr besichtigt werden. Es war uns nicht vergönnt einen Blick auf das Oberhaupt aller Norweger zu werfen. Dafür konnten wir für je 90 NOK und nach Abwarten eines Feueralarmes, den Nidarosdom besichtigen. Ein wirklich imposantes Bauwerk zu dem es nicht viel zu sagen gibt, außer man sollte ihn sich auf jeden Fall ansehen. Innen wie außen, es lohnt sich. Die Festung oberhalb der Stadt kann kostenlos besichtigt werden und gibt einen Einblick in die Verwicklung Trondheims in den verschiedenen Kriegen der Vergangenheit. Sehenswert ist auch nach dem Gang über die alte Brücke, ein Besuch des alten Arbeiterviertels und der Lagerhäuser auf Stelzen. Da wir auf dem Parkplatz am Stadion auf keinen Fall übernachten wollten, sind wir über die E6 weiter in Richtung Oslo. Bei Oppdal ist uns beim Vorbeifahren auf der anderen Flussseite ein direkt am Wasser liegender Campingplatz mit vielen Wohnmobilen aufgefallen. Wir haben bei der nächsten Möglichkeit gedreht und sind auf diesen Platz gefahren. Die Lage ist wirklich gut, ansonsten ein normaler norwegischer Campingplatz. Nur 2 Duschen und 2 Toiletten, aber eine Sauna sind das komplette Angebot. WLAN ist nur im vorderen Bereich verfügbar. Für 170 NOK pro Nacht aber ok. Morgen geht’s weiter in Richtung Trollstigen. Jetzt gehen wir noch ein wenig am Fluss spazieren. Die Gegend ist phänomenal. Wasserfälle und grosse Steine, ein wahrhaftes Kletterparadies. Jetzt sitzen wir mit all den anderen Delinquenten vorne an der Rezeption im Pavillion, da hier der beste WLAN Empfang ist und schreiben, mailen, schicken Bilder und schauen online Fernsehen. Campe sind schon ein besonderes Volk.

Das absolute Highlight des heutigen Tages sahen wir rechts der E6 kurz vor Oppdal. Eine ausgewachsene echte Elchkuh stand grasend in der Wiese und hob grüßend den Kopf als wir langsam vorbeifuhren. Elmar hat seinen Job gut gemacht und seine Kumpel über unser Kommen informiert. So kann‘s weitergehen.

Freitag, 24. Juni 2016 (sonnig, bewölkt, leichter Regen)

Heute wollen wir bis zum Campingplatz in Geiranger fahren. Deswegen geht’s mal wieder sehr früh los. Entsorgen und Versorgen werden wir heute unterwegs an einer der Tankstellen, die das kostenlos anbieten. Die Station zum Entsorgen auf dem Stellplatz bei Oppdal ist alles andere als praktisch. Aber dafür gibt es ja die kostenlosen hier in Norwegen. Trinkwasser, Abwasser und Toilettenleerung kein Problem. Die E6 geht es ziemlich zügig in Richtung Süden. Hier gibt’s mal wieder die bekannten norwegischen Blitzer, die schon weit genug vorher angekündigt werden. Trotzdem rauscht ab und an mal einer rein. Kann in Norwegen richtig teuer werden. Also immer schön aufpassen und nie zu schnell fahren. Manchmal fahre ich auch mal 10 km/h schneller als erlaubt. Die Norweger hingegen halten sich in den meisten Fällen nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ein sehr freies Volk halt eben hier im Norden. Je weiter man nach Süden kommt, umso anders wird alles. Die Landschaften erinnern an den Schwarzwald oder das Allgäu. Wir sind heute durch endlose Erdbeerfelder gefahren und haben auch norwegische Erdbeeren gekauft. Die schmecken wirklich richtig gut. Keine Triebhausware. Bei Dombås sind wir dann auf die E136 und in Richtung Andalsnes gefahren. Hier ist die Geschwindigkeit fast auf der gesamten Strecke auf 70 beschränkt. Dafür hat man aber auch grandiose Ausblicke auf die ersten richtig hohen Berge und die spektakulären Wasserfälle. Dombås oder Andalsnes sind gute Orte um den Dieseltank aufzufüllen. Weiter rauf in die Berge in Richtung Trollstigen und Geiranger wird’s richtig teuer. Die RV63 sind wir bis nach Linge gefahren. Dafür ging’s über den berühmten Trollstigen. Man macht 800 Höhenmeter mit 11 Haarnadelkurven. Oben angelangt hat man eine grandiose Aussicht ins Tal und auf die Strecke. Dazu sind verschiedene Plattformen aufgebaut worden. Manche mit Gitterrosten unter denen nichts ist, als mehrere hundert Meter Luft. Es gibt natürlich auch das obligatorische Touristencenter mit dem überall gleichen Angebot. Hier ist es auf Trolle spezialisiert. Hier oben trifft sich die Welt. Menschen aller Hautfarben und Nationalitäten stehen nebeneinander und bestaunen die schöne Natur. Japaner sind mit in Deutschland gemieteten Wohnmobilen ausgerüstet mit riesigen Kameras unterwegs, Holländer mit Wohnwagen und Chinesen in riesigen Busgruppen sind hier vorherrschend. Die paar Deutsche auf dem Parkplatz und die Handvoll Franzosen, die auf dem Parkplatz ihren frisch gefangenen Fisch grillen, fallen gar nicht auf. So spektakulär der Aufstieg ist, so langweilig ist die Abfahrt in Richtung Linge. Dort angekommen, wartete schon die Fähre nach Eisdal auf uns. Die brachte uns in nur 10 Minuten für 249 NOK auf die andere Seite. Weiter über die 63 ging’s dann nach Geiranger. Das letzte Stück wird Adlerstrasse genannt und windet sich in Haarnadelkurven ins Tal. Es gibt einen Aussichtspunkt, der aber leider mit einem Wohnmobil nicht angefahren werden kann. Der Parkplatz ist einfach zu klein. Man kann aber von Geiranger dorthin wandern. Der von uns angefahrene Camping Geiranger liegt einfach genial direkt am Ende des Fjords. Natürlich sind hier die ersten Reihen immer besetzt, man hat aber auch von weiter hinten einen guten Blick auf den Fjord und die ein- und ausfahrenden Kreuzfahrer. Der Platz kostet 275 NOK pro Nacht inklusive allem. Das freie WLAN ist allerdings im hinteren Bereich nicht mehr sehr gut zu empfangen. Zu wenige Stromanschlüsse sind das andere Übel. Für Männlein und Weiblein sind je 3 Duschen und 4 Toiletten vorhanden. 3 Waschmaschinen und 3 Trockner runden das Angebot ab. Sollte man beabsichtigen eine Fjordrundfahrt zu machen, ist es angebracht diese am Tag vorher an der Touristeninformation für je 245 NOK zu buchen. Da wir heute von allen Seiten durch hohe Berge eingeschlossen sind, bleiben Hotbird und Astra kalt. Kein Empfang, obwohl alle Neuankömmlinge zuerst die Antenne kreisen lassen, um festzustellen, dass der Nachbar doch Recht hatte die Antenne drinnen zu lassen. Leider hat der einsetzende Regen unseren Abendspaziergang verhindert. Morgen soll’s besser werden.

Samstag, 25. Juni 2016 (Nieselregen, bewölkt und auch ein wenig Sonne)

Da unser Schiff für die 90 Minuten Fahrt erst um 14:30 Uhr geht, war heute mal Ausschlafen angesagt. Es empfiehlt sich aber einen Spaziergang den Berg hoch zum Wasserfall über dem Dorf zu machen. Gut gesichert geht es über Stahlgittertreppen und Gitterwege hinauf zum Norwegischen Fjordcenter. Sollte man zum Storseterfossen wollen, muss man noch etwa 4,5 km weiter den Berg hoch laufen. Dieser Wasserfall ist berühmt dafür, dass man dahinter durch laufen kann. Es soll eine Kette geben, an der man sich festhalten kann und bei genügend Mut auch durchläuft. Das hat aber auch leider schon Menschenleben gekostet. Auch die kleine Kirche, welche man beim Abstieg auf der Hauptstraße passiert, ist mehr als einen Blick wert. Sie liegt mit dem Friedhof zusammen auf einem Felsvorsprung direkt über dem Fjord. Zurück auf dem Camping kam dann endlich die gute Nachricht. Kate ist schwanger und wir werden im Herbst wieder einen kleinen Welpen bekommen. Die Freude hier bei uns war natürlich riesengroß. Heute Abend knallen die Korken.

Pünktlich um 14:30 Uhr legen wir ab um auf große Fahrt zu gehen. Kurz vor uns ist die Star Legend in den Fjord eingelaufen und hat seine Passagiere zur Fahrt auf das Aussichtsplateau des Trollstigen entladen. Das Hurtigruten Schiff Nordkapp hat nur einige Passagiere ausgeladen und ist sofort wieder in den Fjord verschwunden. Unser kleines Ausflugsschiff ist in den 90 Minuten Fahrzeit die 15 km bis zur Mündung des Fjords in den Sunnylvsfjord gefahren und hat dabei die wichtigsten Sehenswürdigkeiten passiert. Wie zum Beispiel die 7 Schwestern, den Brautschleier und den Freier, alles mächtig anzuschauende Wasserfälle, die auch jetzt noch riesige Mengen Wasser ins Tal bringen. Teil des UNESCO Weltnaturerbes sind auch die aufgegebenen Höfe in den unzugänglichen Bergen rund um den Fjord. Dort mussten die Kinder in der Zeit wenn die Erwachsenen sich um den Hof kümmerten, mit Seilen vor dem Herabstürzen gesichert werden. Die letzten Höfe wurden in den späten 1960 Jahren aufgegeben. Der Fjord ist doch erheblich breiter als man es sich vielleicht vorstellt. Im Schnitt zwischen 600 und 1300 Metern. Die Teufelsschlucht und die Adlerstrasse sind weitere Highlights der Fahrt. Auf dem Rückweg hat unser Schiff noch zweimal gehalten und weitere Passagiere aufgenommen, die bis zu den Haltestellen gewandert waren.

Wir sind heute Abend noch in Richtung des kleinen Dorfes Humlung gelaufen. Hier endet die Straße und wir konnten das Auslaufen der Star Legend bewundern. Ein eleganter kleiner Kreuzfahrer, der sich wie all die anderen Schiffe vorher mit Böllern und Hupen verabschiedet hat. Nach all der Natur heute, steht morgen wieder eine etwas längere Fahrt auf dem Programm. Es geht zum Gletscher Boyabreen. Weiteres folgt morgen.

Sonntag, 26. Juni 2016 (Regen, Regen und nochmals Regen)

Heute war großer Abreisetag in Geiranger. Einige Mitglieder einer geführten Tour sind schon früh unterwegs. Nach den üblichen Startvorbereitungen fuhren wir die 63 durch Geiranger hoch bis auf ca. 1200 m. Dazu waren 17 teils scharfe Haarnadelkurven notwendig. Zum Glück ist die Strecke relativ breit ausgebaut in den Kurven. Weiter ging’s wieder bergab und mit der RV15 wieder hoch auf ca. 1000 m. Die folgende RV60 war sehr gut zu befahren genauso wie die E39. Nach dem Færlandtunnel befindet sich auf der linken Seite die Einfahrt zum Boyabreen. Der Boyabreen ist eine der am leichtesten zu erreichenden Gletscherzungen in Norwegen. Wir sind nicht hoch bis zum Restaurant gefahren, sondern haben das Wohnmobil auf dem Parkplatz unmittelbar an der Straße stehen lassen und sind die letzten 300 m zu Fuß zum Gletscher. Trotz der geschrumpften Größe ein wirklich imposanter Anblick. Der Gletschersee ist im Moment voll mit abgebrochenen Eisstücken. Die Schautafeln zeigen sehr eindringlich das Schrumpfen der Gletscher in den letzten 100 Jahren. Nach einer Pause sind wir weiter über die E13 und E16 bis zum Tvinde Camping. Dieser liegt direkt am tosenden Tvindefossen. Ein Wasserfall der über 150 m ins Tal stürzt. Der Platz für 240 NOK pro Nacht ist ok, wenn man einen der befestigten Plätze ergattern kann.

Die heutige Etappe war eine ganz Besondere. Es waren zwar nur 330 km, aber viele Höhenmeter und insgesamt 31 Tunnel. Das Highlight war der Lærdals Tunnel. Er ist mit 24,51 km Länge der längste Straßentunnel der Welt. Sehr gut ausgebaut, mit insgesamt 3 Haltepunkten, die wie Eishöhlen aussehen. Die anderen Tunnel waren zwischen mehreren Hundert Metern bis zu 11 km lang. Wir sind heute schätzungsweise 90 km nur durch Tunnel gefahren. Die Mannheller-Fodnes Fähre hat uns nach einer etwa 30 minütigen Wartezeit in 15 Minuten auf die andere Seite gebracht. Heute gab es auch nur 2 Baustellen. Alles in allem eine gute Etappe. Da es immer noch lange hell ist, wurde der Wasserfall schon heute Abend ausgiebig begutachtet und morgen geht’s endlich nach Bergen. Vorher werden wir uns aber noch Voss ansehen. Soll auch sehr lohnend sein.

Den Bilderbericht findet ihr hier https://rohnerreisen.wordpress.com/
Disziplin ist die Fähigkeit, sich zu merken was man wirklich will.
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