Neues Mautsystem in Norwegen

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Neues Mautsystem in Norwegen

Beitragvon claudia » 18.01.2020 - 12:13:27

Servus Gemeinde,

in Norwegen soll es seit dem 01.01.2020 neue Mautregeln geben.
Es ist sogar die Rede davon, dass man einen AutoPASS-Chip Benötigt um nicht unnötig viel zu bezahlen. Dabei geht es wohl um die Schadstoffklassen des jeweiligen Fzges.
Auch bei den Fähren soll dieser Chip jetzt obligatorisch sein.

Wer weis mehr darüber?
Ist eine Registrierung notwendig bzw. sinnvoll?

Grüße
Ralf
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Re: Neues Mautsystem in Norwegen

Beitragvon Schwedenopa » 18.01.2020 - 15:57:03

Hallo Ralf (oder Claudia?,

gut dass Du das erwähnst. Zwar stimmt es so nicht, wie Du es gehört hast, aber Dein Beitrag hat mich veranlasst, wieder einmal nachzuschauen. Tatsache ist, dass es die neuen Regeln schon länger gibt, zum 01.01.2020 ändert sich nichts. Tatsache ist aber auch, dass die meisten Wohnmobilfahrer davon nicht direkt betroffen sind. Das hier sind die Regeln:

  1. Schon immer gibt es zwei Mautklassen, Klasse 1 für Kfz bis 3,5 Tonnen und Klasse 2 für Kfz über 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse. Wobei es jedoch in der Klasse 2 eine Ausnahme gibt: Kfz über 3,5 Tonnen, die der EU-Fahrzeugklasse M1 angehören, also so gut wie alle Wohnmobile, und die mit einem elektronischen Maut-Transponder ("Brikke") ausgerüstet sind, werden nach Klasse 1 verrechnet.
  2. Die Höhe der Maut kann - insbesondere bei der Citymaut - zeitabhängig sein, also teurer zur Hauptverkehrszeit.
  3. Bei vielen Mautgesellschaften gibt es einen "Mengenrabatt", wenn man einen "Brikke" hat.
  4. Schon seit einigen Jahren, mindestens seit 2016, müssen kommerzielle Fahrzeuge (Busse, LKW) mit mehr als 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse mit einem Mautchip ausgerüstet sein. Privat genutzte Wohnmobile sind davon zwar nicht betroffen, auch wenn sie mehr als 3,5 Tonnen haben. Aber, siehe oben die Ausnahmeregelung unter 1., ohne Chip wird es teurer.
  5. Seit dem 01.10.2017 ist es rechtlich möglich, die Maut über die beiden Klassen hinaus auch nach Schadstoffausstoß gestaffelt zu erheben. Die Stadt Oslo hat davon von Anfang an Gebrauch gemacht, die Stadt Bergen hat zum 01.06.2018 nachgezogen. In diversen anderen Citymaut-Bereichen, z.B. in Kristiansand, werden lediglich für reine Elektro- und Wasserstoffautos niedrigere Tarife verrechnet.
  6. Will man dort, wo es sie gibt, von der Einstufung nach Schadstoffausstoß profitieren, so muss man sein Fahrzeug (bis 3,5 Tonnen) bei EPC registrieren oder einen "Brikke" bestellen. Falls nicht, wird automatisch der höchste Tarif verrechnet. Und genau deshalb ist es für die meisten Wohnmobile bis 3,5 Tonnen irrelevant, denn die fahren in der Regel mit Diesel, und für Diesel wird sowieso der höchste Tarif verrechnet.
  7. Auch bei Diesel-PKW bringt die Registrierung keine Vorteile.

Zusammengefasst:
  • Für Dieselbetriebene Wohnmobile bis einschließlich 3,5 Tonnen ist eine Registrierung bei EPC empfehlenswert, aber nicht unbedingt nötig. Wer viele Mautstrecken passieren will, sollte wegen des Mengenrabatts über die Anschaffung eines "Brikke" nachdenken.
  • Für Wohnmobile mit mehr als 3,5 Tonnen sollte man unbedingt einen "Brikke" anschaffen! Andernfalls zahlt man drauf.
  • Von der Einstufung nach Schadstoffausstoß profitieren Wohnmobile und PKW nur dann, wenn sie nicht mit Diesel betrieben werden.

Soviel zu den Mautstrecken, mehr zu den Fähren im nächsten Beitrag.

MfG
Gerhard
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Re: Neues Mautsystem in Norwegen

Beitragvon claudia » 18.01.2020 - 16:15:02

Danke Gerhardt
Das ist schon mal einiges an Info.
Das Thema Fähren steht auch noch auf meiner Frageliste.
Bin schon gespannt.

Grüße
Ralf
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Re: Neues Mautsystem in Norwegen

Beitragvon Schwedenopa » 18.01.2020 - 17:37:32

Und nun zu den Fähren. Hierbei sind ausschließlich die innernorwegischen Fjordfähren gemeint, nicht die Ostseefähren von Dänemark oder Deutschland aus nach Norwegen.

Seit dem 01.01.2019 gibt es parallel zum Straßenmaut-Bezahlsystem "AutoPASS" auch ein elektronisches Bezahlsystem "AutoPASS for ferje" für die diversen Fjordfähren in Norwegen. Mit diesem System erhält man als Privatkunde 50% Rabatt auf den Fahrzeugpreis und 17% auf die Personenpreise! Anders als beim Straßenmautsystem, wo man hinterher bezahlt, muss man aber für die Fähren ein Guthaben im Voraus einzahlen, von dem dann die Fährfahrten abgebucht werden. Auf immer mehr Fährverbindungen kann dabei über den gleichen "Brikke", also Mautchip, abgerechnet werden, der auch für die elektronische Straßenmaut verwendet wird. Auf Verbindungen, die noch nicht auf "Brikke" umgestellt sind, benötigt man eine Karte, die AutoPASS Ferjekort.

Langfristig ist wohl vorgesehen, sämtliche Fährverbindungen auf "Brikke" umzustellen und die Ferjekort abzuschaffen. Jedenfalls wurde Anfang 2020 die Anzahl der Verbindungen mit "Brikke" erheblich ausgeweitet. Hier gibt es eine Liste, welche Fährverbindungen mit welcher Variante arbeiten: Klick!

Um von diesem System Gebrauch zu machen, muss man ein Anwenderkonto bei AutoPASS for ferje einrichten und das nötige Mindestguthaben einzahlen. Das Mindestguthaben für Fahrzeuge bis 8 Meter Länge beträgt 3.600 NOK (seit dem 01.01.2020). Falls man schon einen "Brikke" hat, kann man diesen dabei gleich registrieren. (Kann man aber auch später noch nachholen.) Man kann auch gleich die "Ferjekort" mitbestellen, die kostet einmalig 50 NOK. Und man kann auswählen, ob man die Rechnungen per E-Mail oder Briefpost erhalten will.

Nach dem Einrichten des Kontos erhält man eine Zahlungsaufforderung auf dem gewählten Versandweg. Dann erst kann man das Guthaben einzahlen. Kleiner Tipp: Da nur Bezahlung per Banküberweisung möglich ist und manche Banken bei Auslandsüberweisungen in eine andere Währung als Euro ziemlich gesalzene Gebühren verlangen, empfiehlt es sich, den Kronenbetrag in Euro umzurechnen, etwas aufzurunden und dann eine normale SEPA-Überweisung in Euro zu machen. Dann dürfen die Banken keine höheren Gebühren verlangen als bei einer Inlandsüberweisung.

Sobald das Mindestguthaben eingegangen ist, wird der Vertrag gültig und die evtl. bestellte Karte wird per Post abgeschickt. Man sollte also das Konto rechtzeitig vor der Abreise, mindestens zwei, besser mehr Wochen vorher, einrichten.

Sinkt während der Reise das Guthaben unter 25% des Mindestbetrages, erhält man eine neue Zahlungsaufforderung. (Auch daher ist der Versand per E-Mail zu empfehlen.) Ist das Guthaben zu gering, um eine anstehende Fährüberfahrt zu bezahlen, so erhält man bei Brikke-Zahlung nur noch 10% Rabatt und der über das vorhandene Guthaben hinausgehende Betrag wird über die Straßenmautgesellschaft, von der der Brikke stammt, abgerechnet. Zahlung mit Ferjekort ist dann gar nicht mehr möglich. Man sollte also während der Reise den Kontostand im Auge behalten und ggfs. rechtzeitig auffüllen.

Nach wie vor kann man auch direkt an der Fähre mit Bargeld oder Bank/Kreditkarte bezahlen, dann aber ohne jeden Rabatt. (Und ich würde es nicht ganz ausschließen, dass diese Möglichkeit nach der flächendeckenden Einführung des AutoPASS-Systems abgeschafft wird ...)

Benötigt man den Vertrag nicht mehr, kann man ihn (schriftlich) kündigen. Eventuelles Restguthaben wird dann auf das angegebene Bankkonto (IBAN/BIC nötig) zurückerstattet.

Wer einen "BroBizz"-Transponder für die Storebelt/Öresundsbrücke hat, kann übrigens auch diesen anstatt eines norwegischen Mautchips registrieren und benutzen. Dafür wird allerdings eine Zusatzgebühr von 6€ pro Jahr fällig.

MfG
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Re: Neues Mautsystem in Norwegen

Beitragvon claudia » 19.01.2020 - 07:28:36

OK wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist es zur Zahlung der Straßenmaut mit einem Diesel Wohnmobil nicht unbedingt notwendig da keine Vorteile durch Rabatt.
Für die Fjordfähren jedoch schon. Hier kann man bis zu 50% sparen wenn man einen Account und den Transponder und zusätzlich die Fährenkarte hat.

Vielen Dank Gerhard für deine ausführliche Beschreibung.

Grüsse

Ralf
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Re: Neues Mautsystem in Norwegen

Beitragvon Schwedenopa » 19.01.2020 - 12:37:16

claudia hat geschrieben:OK wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist es zur Zahlung der Straßenmaut mit einem Diesel Wohnmobil nicht unbedingt notwendig da keine Vorteile durch Rabatt.

Für Wohnmobile bis einschließlich 3,5 Tonnen und die Registrierung bei EPC stimmt das so. Fährt man mehrmals auf Mautstrecken, so kann sich ein Transponder aber trotzdem lohnen, denn es gibt bei vielen Mautgesellschaften eine Art Mengenrabatt.

Für Wohnmobile über 3,5 Tonnen sollte man auf jeden Fall einen Transponder haben, sonst wird es auf Mautstrecken teuer.

claudia hat geschrieben:Für die Fjordfähren jedoch schon. Hier kann man bis zu 50% sparen wenn man einen Account und den Transponder und zusätzlich die Fährenkarte hat.

Stimmt! Wenn man jedoch schon weiß, mit welchen Fähren man fahren will, dann lohnt es sich, in der von mir oben verlinkten Liste nachzuschauen. Kann sein, dass man auf die Fährenkarte verzichten kann.

Der Transponder selbst kostet übrigens nichts: Man hinterlegt lediglich eine Kaution von 200 NOK, die man bei Auflösung des Vertrages und Rücksendung des Transponders zurückerstattet bekommt.

MfG
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Re: Neues Mautsystem in Norwegen

Beitragvon Schwedenopa » 19.01.2020 - 12:46:24

Und noch ein Tipp für Besitzer von Wohnmobilen über 3,5 Tonnen: Wer sowohl in Skandinavien als auch auf österreichischen Autobahnen fahren will, sollte über die Anschaffung eines EasyGo+ Transponders nachdenken. Der kann nämlich auch als OBU für die österreichische Autobahnmaut verwendet werden.

MfG
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Re: Neues Mautsystem in Norwegen

Beitragvon Schwedenopa » 25.01.2020 - 18:45:50

Hallo nochmal,

das ein ähnliches Thema auch im Norwegenfreunde-Forum diskutiert wurde, hatte ich dort eine Zusammenfassung geschrieben, wann eine Registrierung bei EPC und wann die Verwendung eines Maut-Transponders, in Norwegen "Brikke" genannt, möglich und sinnvoll ist. Diese möchte ich euch hier nicht vorenthalten:

  1. Eigener PKW/Wohnmobil mit zulässiger Gesamtmasse nicht über 3,5 Tonnen und Dieselmotor:
    Registrierung bei EPC: Ist möglich, bringt aber keine Kosten- oder sonstigen Vorteile.
    "Brikke": Ist ebenfalls möglich: Bringt bei einigen Mautgesellschaften bis zu 20% Rabatt. Kann überdies für AutoPASS Ferje eingesetzt werden und bringt dort 50% Rabatt.
  2. Eigener PKW/Wohnmobil mit zulässiger Gesamtmasse nicht über 3,5 Tonnen und Benzinmotor oder Plug-In-Hybrid:
    Registrierung bei EPC: Ist möglich, bringt aber bislang nur im Mautring Oslo einen geringen Kostenvorteil.
    "Brikke": Siehe unter 1.
  3. Gemieteter PKW/Wohnmobil mit zulässiger Gesamtmasse nicht über 3,5 Tonnen, egal ob Diesel oder Benziner:
    Registrierung bei EPC: Sollte unbedingt gemacht werden, um spätere Scherereien bzw. Gebühren seitens des Vermieters zu vermeiden.
    "Brikke": Ist nicht möglich.
  4. Eigenes Wohnmobil mit zulässiger Gesamtmasse über 3,5 Tonnen, egal ob Diesel oder Benziner:
    Registrierung bei EPC: Ist vermutlich möglich, aber sinnlos.
    "Brikke": Sollte unbedingt bestellt werden. Nur mit Brikke kann ein Wohnmobil über 3,5 Tonnen zum PKW-Tarif abgerechnet werden. Kann überdies für AutoPASS Ferje eingesetzt werden und bringt dort 50% Rabatt.
  5. Gemietetes Wohnmobil mit zulässiger Gesamtmasse über 3,5 Tonnen, egal ob Diesel oder Benziner:
    Registrierung bei EPC: Siehe unter 4.
    "Brikke": Ehrlich gesagt, keine Ahnung ...
  6. "Null-Emissions-Fahrzeug" (Entweder reines Elektroauto oder Wasserstoffantrieb):
    Registrierung bei EPC oder "Brikke" ist sinnvoll und führt zu spürbaren Kostenvorteilen.

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